Roter Stern Flensburg
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News

Platzsuche wird zur Existenzfrage - Offener Brief zur derzeitigen Sportplatzsituation

24. Juni 2015

Der 2009 gegründete Sportverein Roter Stern Flensburg steckt momentan in der wohl schwierigsten Lage seiner noch jungen Geschichte. Eigentlich könnte alles gut sein. Mit zwei Herren- und einem Damenteam ist die Fußballsparte so breit aufgestellt wie noch nie. Außerdem verfügt der Verein schon länger über eine Skateboard- und eine Dartsparte. Bald soll auch Kampfsport und Tanzen angeboten werden. Neben fußballbegeisterten Menschen braucht es aber auch einen Sportplatz zum Spielen und Trainieren. Und genau diese grundlegende Kleinigkeit hat der Rote Stern momentan nicht, sodass der Verein vor existenziellen Fragestellungen steht.

 

Eigentlich können wir den Sportplatz an der Comeniusschule unser Zuhause nennen. Dank einer Ausnahmeregel darf der Rote Stern Flensburg diesen Schulsportplatz nutzen, muss hierfür jedoch 1200 Euro pro Jahr zahlen. Zusätzlich gilt das Nutzungsrecht nicht in den Wintermonaten. In den letzten Jahren war es uns stets möglich im Winter den Platz des VfB Nordmark zu nutzen. Seit der Insolvenz und der darauf folgenden Brachlegung beider Fußballplätze am Bahnhof war uns diese Option nicht mehr möglich. Somit stand der Verein für den Winter 2014/2015 ohne Trainingsmöglichkeit da. Obwohl wir frühzeitig bei der Stadt und auch bei anderen Vereinen in der Stadt nachfragten, wurde uns keine Lösung für unser Problem angeboten. Neben vielen Laufeinheiten entlang der Förde haben wir dann trotzdem einige Male (weniger als 10 in der gesamten Zeit) auf dem Platz trainiert und hatten behelfsmäßig Strahler am Ballfangzaun angebracht, mit denen die eine Hälfte des Sportplatzes halbwegs beleuchtet werden konnte. Diese Entscheidung fällten wir in Eigenregie, da uns keine andere Wahl blieb, wollten wir nicht komplett aufs Fußballspielen in der Vorbereitung verzichten und uns die Möglichkeit des Aufstiegs nicht verbauen.

 

Auf Grund des nicht optimalen Zustandes des Platzes nach dem Winter sperrte die Stadtverwaltung den Platz zunächst für den Monat März. Dies erschien uns ebenfalls als sinnvoll, auch wenn es unsere Situation natürlich nicht vereinfachte. Nach Ablauf der Frist teilte uns die Stadt mit, dass der Platz weitere zwei Monate gesperrt werden müsse. Somit konnten wir in der Rückrunde keine Heimspiele austragen und mussten zum Training nach Glücksburg ausweichen. Dies beinhaltete nicht nur weitere Kosten für den Verein, sondern auch logistische Probleme. In der Zwischenzeit hatte sich unserer Ansicht nach der Platz wieder sehr gut erholt. Trotzdem gab die Stadt den Platz Anfang Juni nicht frei, sondern verlängerte die Sperre auf unbestimmte Zeit. Dies sei mit den Technikern so abgesprochen. Was für technische Probleme tatsächlich vorliegen, wurde uns bis dato nicht mitgeteilt. Vor einigen Tagen sagte uns ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung nun telefonisch, dass wir den Platz dieses Jahr vermutlich nicht mehr nutzen könnten. Diese Information sei noch nicht offiziell, aber wahrscheinlich. Somit stehen wir mit zwei bis drei motivierten Teams (ein Frauenteam ist in den vergangenen Monaten trotz der widrigen Umstände ebenfalls aufgebaut worden, wird vermutlich aber noch nicht melden), weiterhin ohne ein Zuhause da.

 

Ohne eigenen Platz können keine (Heim-)Spiele ausgetragen, kein Training angeboten und keine Vereinsstrukturen aufgebaut und erhalten werden. Voraussichtlich müssen wir wie in der vergangenen Rückrunde bei allen Spielen auswärts antreten und somit zusätzlich andere Vereinsstrukturen belasten. Dies ist nicht in unserem Sinne, momentan aber die einzige Möglichkeit, ohne die Mannschaften gänzlich aus dem Spielbetrieb abzumelden. Im schlimmsten Fall könnte die derzeitige Platzsituation zu starker Abwanderung aus der Fußballsparte führen, was die Existenz des gesamten Vereins bedrohen würde! Anders ausgedrückt, gefährdet die Stadt Flensburg mit der Entscheidung über die Platzsperre ohne Bereitstellung von Alternativen die Existenz des Vereins und die Integration von Flüchtlingen in den organisierten Sport. Der Stadt Flensburg kann es und sollte es nicht egal sein, kulturelles und soziales Engagement zu gefährden. Wir fordern von der Stadt Flensburg die Bereitschaft, eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten, die in beiderseitigem Interesse ist. Unser Vorschlag hierzu wäre das Realisieren einer Nutzungsmöglichkeit der brachliegenden Sportanlage am Bahnhof. Seit der Insolvenz des VfB Nordmark liegt eine Sportanlage brach, während ein anderer Verein dringend auf der Suche ist…

 

Neben der Gefährdung des Spielbetriebes und somit des gesamten Vereins ist auch unsere Arbeit mit Geflüchteten im Rahmen von Sportangeboten unmöglich weiter fortzusetzen. Der Rote Stern Flensburg engagiert sich seit über einem Jahr, um Flüchtlingen Sportangebote zu machen und sie in die Teams zu integrieren. Zusätzlich wurden in den Wintern 2014 und 2015 zwei Hallenturniere veranstaltet, deren Einnahmen Geflüchteten und antirassistischen Initiativen zu Gute kamen. Unter anderem konnte eine vierstellige Summe an das Fußballprojekt „FC Lampedusa Hamburg“ gespendet werden. Auch momentan liegen etliche Anfragen von Flüchtlingen vor, die gerne im Verein aktiv werden würden. Allerdings ist dies in Glücksburg nicht möglich, da nicht genügend Autos in den Teams zur Verfügung stehen. Ein Platz in Flensburg ist also auch für dieses Projekt unerlässlich!

 

Gerne würden wir mit unserer flüchtlingssolidarischen Arbeit Erfolgsgeschichten schreiben, wie zum Beispiel der FC Eschwege in Hessen, der Sport als Sprache versteht. Gerne würde unsere erste Mannschaft den Aufstieg in die Kreisklasse A in Angriff nehmen, nachdem dieser in der vergangenen Saison nur knapp verfehlt wurde. Gerne wollen wir einfach zusammen Fußball spielen und Spaß haben. Gerne wollen wir ein (etwas anderer) Verein sein.

 

Ohne einen Platz, ja ohne ein Zuhause, ist dies für den Roten Stern Flensburg jedoch nicht möglich!

Kategorie: Fussball
Erstellt von: Hannes